Von L- zu H-Gas

Unterschiedliche Quellen und Routen zur Versorgung mit Erdgas führen dazu, dass in Deutschland verschiedene Erdgassorten mit unterschiedlichem Energiegehalt zum Einsatz kommen: L-Gas (low calorific gas) und H-Gas (high calorific gas).

Je höher der Anteil an Methan ist, desto mehr Energie steckt in einem Kubikmeter Erdgas. Die chemische Zusammensetzung von Erdgas – und damit der Methangehalt – hängt von der Fundstätte (bzw. Quelle) ab. Mittelfristig wird der Anteil von L-Gas aufgrund sinkender Gasvorkommen in Deutschland und den Niederlanden zurückgehen; bis 2030 um etwa 90 Prozent.

Die ZEELINK Fernleitung sorgt dafür, dass neue H-Gas-Aufkommen aus Nord, Süd und West angebunden werden können. Sie sind damit auch eines der wichtigsten Verbindungsglieder für den Gastransport von Nord nach Süd. Es ist Aufgabe der ZEELINK Fernleitung, die schrittweise Umstellung der L-Gas-Gebiete in der richtigen Reihenfolge zu gewährleisten.

Diese Umstellung kann nur in größeren Leitungsabschnitten erfolgen, die dann lokal auf jeden Verbraucher heruntergebrochen werden. Immer unter der Voraussetzung, dass die Versorgung der Kunden zu jedem Zeitpunkt gesichert ist.



Häufige Fragen und Antworten

1. Warum wird ZEELINK gebraucht?
Bis zum Jahr 2030 wird ein signifikanter Rückgang der zur Verfügung stehenden deutschen und der niederländischen L-Gas Mengen prognostiziert. Ab dem Jahr 2020 werden die niederländischen Exportmengen nach Deutschland schrittweise reduziert, bis sie im Jahr 2029 vollständig eingestellt werden. Da die Niederlande über keine H-Gas Aufkommen verfügen, sind neue Transportwege für das H-Gas aus Russland, Norwegen und LNG-Importe erforderlich, um die zurückgehenden L-Gas Mengen zu ersetzen. Die ZEELINK Leitung bindet erstmalig und dauerhaft die momentan mit L-Gas versorgten Regionen im Westen und Nordwesten Deutschlands an bestehende und zukünftige H-Gas Quellen an. Damit gewährleistet sie die schrittweise Umstellung der gesamten Region auf H-Gas in der richtigen Reihenfolge. Darüber hinaus stärkt ZEELINK den Transport von Erdgas von Süd nach Nord und von Nord nach Süd, was der Versorgungssicherheit mit Erdgas in Nordrhein-Westfalen und Deutschland dient.
2. Was bedeutet L-H-Gas Umstellung?
Ein Teil des deutschen Gasmarktes wird mit niederkalorischem Erdgas (L-Gas – low calorific gas) versorgt. L-Gas stammt allein aus Aufkommen der deutschen und der niederländischen Produktion. Die übrigen in Deutschland verfügbaren Aufkommen (Gas aus Dänemark, Norwegen/Nordsee, Russland bzw. von LNG-Terminals) liefern höherkalorisches Erdgas (H-Gas – high calorific gas). Die beiden unterschiedlichen Gruppen der Erdgasbeschaffenheit müssen aus technischen und eichrechtlichen Gründen in definierten Grenzen in getrennten Systemen transportiert werden. Kunden, die mit Gas einer geänderten Beschaffenheit versorgt werden sollen, können erst nach einer Anpassung der Verbrauchsgeräte mit Gas des anderen Brennwertbereichs versorgt werden.
3. Welche Auswirkungen hat die L-H-Gas-Umstellung für den einzelnen Bürger?
Der DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches) geht von über fünf Millionen Gasgeräten aus, bei denen eine Umstellung vorgenommen werden muss. Die Organisation der Anapssung führt der lokale Verteilernetzbetreiber, in der Regel das Stadtwerk aus. Die betroffenen Haushalte werden frühzeitig durch den Netzbetreiber bzw. durch die von ihm beauftragte Anpassungsfirma über die Marktraumumstellung informiert.
4. Kann durch den Bau von Anbindungsleitungen aus den Niederlanden auf den Bau der ZEELINK Leitung verzichtet werden?
Anbindungsleitungen aus den Niederlanden können den Bau der ZEELINK Leitung nicht vollumfänglich ersetzen. Durch diese Transportalternativen ist die schrittweise Umstellung der bisher mit L-Gas versorgten Gebiete nicht möglich. Diese Alternativen erhöhen zusätzlich die Komplexität und die Abhängigkeit bei der L-H-Gas Umstellung und machen den gesamten Prozess damit deutlich risikobehafteter. Durch den Bau der ZEELINK Leitung wird ein Transportsystem geschaffen, das den Transport von Erdgas (H-Gas) von Süd nach Nord und von Nord nach Süd stärkt und damit die Robustheit und Flexibilität des Gesamttransportsystems. Anbindungsleitungen aus den Niederlanden erfüllen diese Aufgabe nicht. Dieses wurde durch die Bundesnetzagentur bei den NEP Planungen auch entsprechend berücksichtigt. Weitere Informationen zu den Transportalternativen zur ZEELINK finden Sie hier.

 

Weiterführende Links

Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen
FNB Gas – Die Fernleitungsnetzbetreiber
DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.
Zukunft Erdgas e.V.

 

Download

Schnellere Gasumstellung in der Diskussion (energate messenger, 26.04.2017)